Schädlichkeit einer Shisha
Schädlichkeit einer Shisha


Am 13.01.2009 um 19.30 Uhr war es endlich soweit. Die vier Mitglieder des Shisha forums
Connochaetes, julianwobbe, Tomi und an_Dre2111 trafen sich am Hauptbahnhof in Heidelberg nach
einer Ankündigung im Shishaforum, um den Vortrag von Herrn PD Dr. rer. nat. Thomas Schulz vom
Bundesinstitut für Risikobewertung über die neusten Erkenntnisse zum Thema „Gefahren und
Risiken der Wasserpfeife“ zu hören. Nach einer kurzen Busfahrt kamen die vier gut im Theoretikum
der Ruprecht-Karls-Universität an, standen jedoch, wie der Referent selbst vor verschlossenen Türen,
da jemand vergessen hatte den Hörsaal aufzuschließen. Nach einigen Telefonaten konnte dieses
Problem jedoch souverän gelöst werden und der Vortrag dann doch noch mit wenigen Minuten
Verspätung beginnen. Herzlichst begrüßt und vorgestellt wurde der Referent von Prof. Dr. Stefan
Wölfl, einem langjährigen Bekannten.
Nach einer kurzen Einführung in den Tätigkeistbereich der Bundesargentur für Risikobwertung und
deren Geschichte ging es über zur Darstellung der Studie.
Zunächst wurde verdeutlicht was der Unterschied zw. einer Bong und einer Shisha ist, wobei deutlich
erwähnt wurde, dass die Shisha hier nur zum Rauchen von Fruchttabak genutzt wird. Die Gründe für
den Beginn der Studie waren zum einen der wachsende Konsum der Wasserpfeife weltweit (laut einer
Studie rauchten im Jahr 2008 rund 12% der Jugendlichen zw. 14-17 Jahren im Monat vor der
Befragung mindestens einmal Wasserpfeife), zum Anderen eine Reihe offener Fragen in Bezug auf
gewisse Gesundheitsgefahren und schlussendlich die Tatsache, dass es bis dato kein standartisiertes
Abrauchverfahren für eine Shisha gab. Die Fragen die sich die Forscher stellten waren wie folgt:

· Wie groß ist der Filtereffekt des Wassers?
· Wie ist die Zusammensetzung des Rauchs?
· Gibt es biologische Effekte des Rauchens?
· Wie schädlich ist das Passivrauchen?
· Gibt es gesundheitliche Effekte?
· Welche Schadstoffe werden vom Körper ausgeschieden bzw. welche Metabolite der
Schadstoffe?

Im Anschluss folgte ein detaillierter Vergleich des Rauchverhaltens einer Zigarette und einer Shisha.
Shisha Zigarette
Tabak [g] 5-20 0,7-1,0
Zugvolumen [ml] 300-500 35-60
Anzahl der Züge 100-170 8-12
Zugvolumen gesamt [L] 85 0,72
Einheiten pro Tag Bis zu 10 Bis zu 60
Herr PD Dr. rer. nat. Schulz wies hierbei auf ein Mediendebakel der WHO hin, weil diese nach diesem
Vergleich auf ein 100 mal höheres Rauchvolumen hinwies, was von den Medien völlig falsch
interpretiert wurde und anschließend Schlagzeilen auftauchten wie: „Shisha 100 mal schädlicher als
Zigarette!“
Das Abrauchprotokoll für die im Labor gebaute Standardshisha sah wie folgt aus:


· Einsatz von 10 g importierten Tabak
· Verwendung von selbstzündender Kohle
· Zugvolumen von 530 ml in 2,6 Sekunden
· Alle 20 Sekunden 1 Zug
· Nach 105 Zügen Filterwechsel
· Insgesamt 171 Züge
· Setup: Eine Lage Alufolie überall Löcher

Der Filter der Anlage musste nach 105 Zügen bereits gewechselt werden, da er durch die große
Feuchtigkeit zugesetzt war. Erste Ergebnisse dieses Tests waren, dass die rund 2,8 g Kondensat
etwa 70% Wasser enthalten. Zudem wurde festgestellt, dass das Wasser nur einen geringen
Filtereffekt besitzt, da die Blasen sehr groß sind und der Kontakt des Rauches mit dem Wasser somit
sehr begrenzt, wodurch wenig Stoffaufnahme seitens des Wassers besteht. Würden die Blasen feiner
sein und der Wasserstand über der Rauchsäule höher, würde der Filtereffekt etwas verbessert
werden. Anschließend ging es darum Arbeitsvorschriften zu entwickeln bezogen auf: Das Abrauchen,
die Nikotinbestimmung und die Aldehydbestimmung.
Zur weiteren Bewertung der Gesundheitsgefahr bezog sich Herr PD Dr. rer. nat. Schulz zunächst auf
ältere Studien ausländischer Wissenschaftler, kam dann jedoch auf die eigens durchgeführte

Biomonitoringstudie zu sprechen.

Der Studienaufbau sah wie folgt aus:
· 10 Shisharaucher, 10 Nichtraucher
· 5 g importierter Tabak
· eine Sorte (vermutlich Nakhla Doppelapfel)
· einheitliche Kohle (Selbstzünder)
· eine Wasserpfeife
· Alufolie mit Standardlochmuster (überall Löcher)
· 30 Minuten (mit Ausnahmen)
· Sammlung von 24 h Urin
· Blutuntersuchungen vor und nach dem Rauchen


Das Sammelurin und die Blutproben wurden auf folgender Stoffe hin untersucht: Cadmium, Blei,
Chrom, Arsen, Kohlenmonoxid – Carboxyhämoglobin, Nikotin, Cotinin, Benzol-Metaboliten, PAKMetaboliten
(Naphthalin, Phenanthren, Pyren), Acrolein-Metaboliten, Acrylamid-Metaboliten, NNKMetaboliten.
Erste Ergebnisse der Analysen lassen folgende Schlussfolgerungen zu:
Wasserpfeifen sind suchterzeugend und zudem gesundheitsschädlich, denn der Wasserpfeifenrauch
enthält relevante Schadstoffe, wie z.B. Kohlenmonoxid, polyzyklische aromatische
Kohlenwasserstoffe, Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein u. a. Aldehyde und verschiedene
Schwermetalle.
Von diesen ganzen Stoffen hält Herr PD Dr. rer. nat. Schulz das Kohlenmonoxid jedoch für den derzeit
auffälligsten und schädlichsten, da es unter den Probanden Fälle gab, wo das Hämoglobin bis zu 30%
mit Kohlenmonoxid besetzt war. Was im Endeffekt bedeutete, dass der Körper und vor allem das
Gehirn 30% weniger Sauerstoff zur Verfügung hatten. Inwieweit diese Tatsache Langfristige Schäden
verursache, sei derzeit jedoch noch nicht klar. In den folgenden Monaten wolle man sich vor allem
darauf konzentrieren, in wieweit der Glyceringehalt des Tabaks Auswirkungen auf den Acroleingehalt
im Rauch hat und desweiteren der Frage nachgehen, wie zytotoxisch und genotoxisch der
Wasserpfeifenrauch ist.


Weitere Leitfragen seien zudem:
· Untersuchung des Suchtpotenzials in Deutschland
· Ist die Wasserpfeife ein Einstieg zum Zigarettenrauchen?
· Untersuchung möglicher Gesundheitsschäden der Verbraucher
· Wie stellt sich die Passivrauchproblematik bei Nutzung von Wasserpfeifen dar?
· Unterschiede zwischen verschiedenen Tabaken
· Wie verhalten sich tabakfreie Rauchmaterialien?
· Gibt es einen Einfluss der verwendeten Kohle?
· Untersuchung von Protein-/DNA-Addukten?


Zusammenfassend kann festhalten werden:
Inwieweit Glycerin zur Schädlichkeit des Rauchens beiträgt ist noch nicht eindeutig erforscht!
Kohlenmonoxid und Nikotin sind derzeit die gefährlichsten Stoffe im Rauch!
Ein Kopf mit 5g importiertem Tabak, einer Lage Alufolie (überall Löcher) ist in etwa so schädlich wie
2 Zigaretten!


So Smoke On
an_Dre2111
editiert von Hamst0r und bereitgestellt für www.hamst0rs-blog.de


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